Erziehungskurs

Dieser Trainingskurs ist für Jugendliche und junge Volljährige mit sozialen Defiziten

Viele straffällig gewordene Jugendliche weisen oft ein gemeinsames Merkmal auf: eine gewisse Unregelmäßigkeit ihrer Lebensverhältnisse. Dazu gehören Schule/ Ausbildung, soziale Kontakte und meist auch das Elternhaus. Diese Defizite führen dazu, dass die Jugendlichen mit ihrer Lebenssituation nicht oder nur schlecht klar kommen und keine Orientierung haben. Der Verlust der Orientierung bewirkt wiederum, dass kein Ziel besteht oder keine strukturierte Handlungskompetenz vorliegt bzw. verloren geht. Dies aufzufangen oder zu mildern durch das Ansprechen dieser Fertigkeiten, einen gleichmäßigen Ansprechpartner, der sich für die Jugendlichen und ihre Situation interessiert und sich um sie kümmert, sind hier die ersten Schritte in Richtung Struktur, soziales Verhalten und Koordination der Lebensverhältnisse.

Zielsetzung

Ausgehend von der gesellschaftlichen Entwicklung lässt sich eine Vereinsamung des Einzelnen feststellen. Über den Konsum wird heute der Bezug zur Gesellschaft hergestellt und nicht mehr über das gemeinschaftliche Handeln.

Soziale Integration und Training der sozialen Fertigkeiten

Wesentlichstes Ziel ist die Reintegration in ein "Normales" Leben und die Stabilisierung der Lebenssituation durch Ziele und Perspektiven. Diese sollen den unstrukturierten Verhältnissen gegenüber gestellt werden und somit einen Ausgleich schaffen, der eine Weiterentwicklung ermöglicht.

Stabilisierung der Selbstwahrnehmung und Zurückführung zur Realität

Meistens liegt bei den Jugendlichen ein verzerrtes Selbstbild vor, so dass eine realistische Selbsteinschätzung oft nicht vorliegt. Diese meist überzogenen Wahrnehmung ist dann oft der Grund für ein Versagen in der Praxis. Eine Rückführung zur realistischen Einschätzung kann das Verhalten stabilisieren, das Versagen in "normalen" Situationen verhindern und sich somit auf die Entwicklung und das Selbstbild positiv auswirken. Die so gewonnene Sicherheit bietet nicht nur Halt sondern stärkt auch den Jugendlichen, der dann in unsicheren Situationen eher überlegt und ruhig handeln kann. Weiter wird der Jugendliche auch in Alltagssituationen nicht so schnell aus dem Gleichgewicht geworfen und kann somit hier in der Situation angemessen reagieren.

Stärkung der Kommunikationsfähigkeiten

Ein Defizit der Kommunikation ist hier meist der Grund für den körperlichen Einsatz. Der Jugendliche weiß sich aufgrund fehlender verbaler Kommunikationsstrukturen nicht mehr anders zu helfen und setzt physische Kräfte ein. Die Stärkung der verbalen Kommunikationsfähigkeit hilft hier ein Verhalten zu verändern und positiv zu festigen. Das richtige Formulieren von Bedürfnissen oder Schwierigkeiten verhindert Missverständnisse und führt zu einer Stabilisierung der Lebenssituation. Die Kommunikationsfähigkeit soll durch den Kurs gefestigt und möglichst ausgebaut werden, da dies eine Verhaltensveränderung ermöglicht.

Regelmäßigkeit in der Schule oder bei der Arbeit sowie in der Gruppe

Die Unregelmäßigkeiten der Lebensverhältnisse und der damit verbundene Lebensstiel führen oft zum Verlust der Arbeit oder Ausbildungsplatz oder den frühen Abbruch der Schule oder das Fehlen eines qualifizierten Schulabschlusses. Durch den Kurs, der immer zur selben Zeit stattfindet, soll diese Verhalten verändert werden. Sich an Zeiten zu halten ist meist schon sehr schwierig und bedarf der Übung.

Umgang mit Gewalt und deren Vermeidung

Durch das Gruppengeschehen und die ständige Auseinandersetzung mit den anderen Jugendlichen und den Betreuern, soll der Einzelne lernen sich auch ohne Gewalt durchzusetzen oder auf andere einzugehen und diese zu akzeptieren. Dieses ständige Üben in der Gruppe und die Anpassung von den Erwartungen an die andern und vor allem an sich selbst, stehen hier im Mittelpunkt.

Kontakt um bei Problemen helfen zu können

Der Kontakt zum Jugendlichen soll hier nicht nur eine Stabilisierung der Beziehungsebene sein sondern auch die Möglichkeit bieten sich bei Problemen an eine Bezugsperson zu wenden und hier auch entsprechend Hilfestellung zu finden. Der offene Umgang mit Problemen ist hier die erste Möglichkeit weitere Schwierigkeiten zu verhindern und damit ein Abrutschen aus einem "normalen" Arbeitsprozess oder Lebenslage zu verhindern. Gerade die Hilfestellung bei Problemen schafft eine Möglichkeit auf den Jugendlichen einzuwirken und eine Verhaltensänderung herbeizuführen.

Veränderung des Handlungsschema

Die Fähigkeit sich in verschiedenen Situationen unterschiedlich zu verhalten wird durch das Elternhaus oder das soziale Umfeld erlernt. Ist diese Fähigkeit nicht erlernt worden, führt dies zu einem Fehlverhalten. Das Trainieren von Verhaltensweisen und die ständige Konfrontation mit Situationen in denen eine gleichbleibende Stimmung besteht, hilft hier nicht nur das Verhalten zu verändern sondern auch dieses zu stabilisieren. Das Aufzeigen neuer Möglichkeiten und das Durchleben dieser ist ein Training mit dem dies ereicht werden soll.

Kooperation mit andern und Abstimmung der Bedürfnisse

Meist sind die Vorstellungen der Jugendlichen nicht auf gegebenen Umstände abgestimmt sondern sind hier unangemessen und überzogen. Die Rückführung der Vorstellung und die Umsetzung der eigenen Wünsche stabilisiert die Jugendlichen und hilft somit sie vor weiteren Straftaten zu bewahren. Das reelle Einschätzen der eigenen Möglichkeiten schafft Perspektiven und damit eine Veränderung der Lebenssituation. Weiter kommt hinzu, das sich hierüber ein zielgerichtetes Handeln entwickeln kann.

Sinnvolle Freizeitgestaltung durch Lernen am Modell

Durch die Strukturierung der verschiedenen Angebote sollen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufgezeigt werden. Hierüber soll der sinnvolle Umgang und vor allem Strukturierung der Freizeit und der Angebote in ein normales Verhältnis gesetzt werden. Die Jugendlichen sollen lernen, dass Freizeit verschiedene Möglichkeiten bietet und sinnvoll genutzt werden kann. Die Organisation der einzelnen Aktivitäten sind hier eine Vermittlung von Handlungsstrategien. Diese lassen sich auch auf das alltägliche Leben und damit auf Schule oder Beruf übertragen.

Rahmenbedingungen

Der Kurs ist für die Dauer von sechs Monaten angelegt und vorerst auf eine Gruppengröße von 6-8 Jugendlichen und jungen Volljährigen beiderlei Geschlecht ausgelegt. Der Trainingskurs unterteilt sich in drei Phasen und findet jeweils an einem Tag in der Woche statt. Der Kurs beinhaltet drei Wochenendfreizeiten (von Samstag - Sonntag), sowie erlebnispädagogische Einheiten, die auch in anderen Einrichtungen, der Natur oder Sporthallen durchgeführt werden. Die Teilnehmenden dürfen keine ausgeprägte Suchtproblematik vorweisen und müssen in der Lage sein, dem Kurs kognitiv und verbal folgen zu können. Sexualstraftäter sind in der Regel ausgeschlossen. Vor Beginn findet ein Einzelgespräch statt, in dem die biologischen Eckdaten durch eine ausführliche Sozialanamnese ermittelt werden. Außerdem wird der Ablauf des Kurses vorgestellt und ein Kursvertrag vereinbart. Die Zuweisung kann durch das Jugendamt, die Staatsanwaltschaft, den Jugendrichter und die Bewährungshilfe erfolgen. Die soziale Trainingskurs-Gruppe wird durch einen Diplom-Sozialpädagogen geleitet, mit der Unterstützung eines Erziehers.

Ablauf des Kurses Erstgespräch

Vor Kursbeginn wird in einem bis zu dreistündigen Einzelgespräch eine ausführliche Sozialanamnese erstellt, damit ein erster umfassender Eindruck von allen Teilnehmenden gewonnen werden kann. Ein weiterer Bestandteil ist die Vermittlung des verbindlichen Ablaufes des Kurses. Die Teilnehmenden werden davon in Kenntnis gesetzt, dass es zu einer konfrontativen Umgangsweise kommen kann und das alle persönlichen Informationen sowie eventuell vorhandene Anklageschriften und Urteilsausfertigungen in der Gruppe offengelegt werden und das hierüber Schweigepflicht besteht. Es wird ein Kursvertrag abgeschlossen, der noch einmal die Kursziele und die wesentlichen Modalitäten beinhaltet. Der verbindliche Charakter des Ablaufs wird mit der Unterschrift des Kursvertrages verdeutlicht.

a) Integrationsphase

Im Vordergrund steht zu Anfang das (Wiederholen des Kursablaufs und das) Kennen lernen der anderen Jugendlichen untereinander. Mit Hilfe von Kennenlernspielen und Gruppen-aktivierenden Methoden wird das Zusammenwachsen der Gruppe gefördert.

b) Arbeitsphase

Schwerpunkt dieser Phase ist das Umsetzen der gesteckten Ziele. Hier werden Themen bearbeitet mit denen die Jugendlichen jeden Tag konfrontiert werden und die für sie und ihr Lebensumfeld von Bedeutung sind. Beispiel: Sexualität bzw. Verhütung, Drogenkonsum, Gewalt und Konfliktlösung, Selbstversorgung,... usw.. Dies sollte im Rahmen einer aktiven Gruppe geschehen und über die jeweilige Programmgestaltung. Die Themen sollten sich nach den Bedürfnissen der Jugendlichen richten und auf die jeweilige Situation eingehen, in der sich die Gruppe befindet. Hierzu ist es notwendig, dass sich die Gruppe auch über längere Zeit trifft z.B. für ein Wochenende oder einen Nachmittag. Zum Ende des Kurses sollte der Jugendliche in seiner Selbstwahrnehmung auf einem relativ normalen und realistischen Maß sein und in seinen Handlungen stabil. Pünktlichkeit und vor allem Zuverlässigkeit sind hier als Beispiel zu nennen.