Antigewalttraining
Die AG Starthilfe e.V. entwickelte aufgrund der immer größeren Nachfrage nach Angeboten für gewalttätige Jugendliche und junge Volljährige ein Antigewalttraining. Das Konzept orientiert sich an bereits bestehenden ambulanten und stationären Antigewaltkursen.
Zielsetzung
Das Hauptziel des Kurses ist, dass die Teilnehmenden lernen, ein Leben zu führen, ohne selbst gewalttätig zu sein. Weitere Ziele sind, die Betroffenheit bezüglich ihrer Gewalttaten herzustellen, ihre Reflexionsfähigkeit zu verbessern, neue Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln, die Fähigkeit zur Übernahme der Opferperspektive zu fördern und das Selbstbewusstsein zu stärken.
Der Kurs ist für die Dauer von drei bis vier Monaten angelegt und auf eine Gruppengröße von acht Jugendlichen / jungen Volljährigen beiderlei Geschlechts ausgelegt. Der Trainingskurs unterteilt sich in drei Phasen, die insgesamt aus zwölf wöchentlichen Sitzungen und einem Nachmittag
bestehen. Die Teilnehmenden dürfen keine ausgeprägte Suchtproblematik vorweisen und müssen in der Lage sein, dem Kurs kognitiv und verbal folgen zu können. Sexualstraftäter sind in der Regel ausgeschlossen.
Vor Beginn findet ein Einzelgespräch statt, in dem biographische Eckdaten durch eine ausführliche Sozialanamnese ermittelt, der Ablauf des Kurses vorgestellt und ein Trainingsvertrag vereinbart werden.
Erstgespräch
Neben der Erstellung der Sozialanamnese und der Vermittlung des Kursablaufes werden die Teilnehmenden davon in Kenntnis gesetzt, dass es zu einer konfrontativen Umgangsweise kommen wird und alle persönlichen Informationen in der Gruppe offengelegt werden müssen. Der verbindliche Charakter des Ablaufs wird mit der Unterschrift des Trainingsvertrages verdeutlicht.
Integrationsphase
Im Vordergrund steht zu Anfang das Wiederholen des Kursablaufes und das kennen lernen der anderen Teilnehmer. Mit Hilfe von Inszenierungen, Filmbeiträgen, Schilderungen eigener Gewalterfahrungen und Gewaltauslöser findet ein Einstieg in die Gewaltthematik statt.
Konfrontationsphase
Schwerpunkt dieser Phase ist es, dass die Teilnehmenden Verantwortung für ihre Straf- bzw. Gewalttaten übernehmen, die sie detailgenau vor der Gruppe beschreiben müssen. Mit der Methode des heißen Stuhls sollen Schuld- und Schamgefühle aufgedeckt werden und eine höhere Toleranz und Belastbarkeit gegenüber zukünftigen Provokationen oder Gewaltauslösern aufgebaut werden. Beim heißen Stuhl sind der verbale Schlagabtausch, die harte Provokation gewollt, damit Legendenbildungen und
Tatrechtfertigungsstrategien aufbrechen und Tatverharmlosungen aufgedeckt werden. Der gesamte Verlauf ist gekennzeichnet durch eine exemplarische, erinnernde Konfrontation der Jugendlichen mit ihrem Verhalten.
Umsetzungsphase
Im letzten Drittel des Kurses steht die Entwicklung der Opferperspektive im Vordergrund. Die Teilnehmenden sollen ihre eigene Gewalttat aus der Sicht ihres Opfers schildern und dabei dessen Gefühle in der "Ich-Form" beschreiben. Darüber hinaus sollen sie in Rollenspielen, die mit der Videokamera aufgezeichnet werden und danach analysiert werden, sowohl die Täter- als auch die Opferperspektive erleben. Als letzter wichtiger inhaltlicher Punkt wird zusammen mit jedem einzelnen Jugendlichen nach Konfliktlösungsmöglichkeiten gesucht, die helfen sollen, Konfliktsituationen zu meistern, ohne selbst Gewalt anzuwenden.
Abschlussveranstaltung
Als Abschluss des Trainingskurses ist ein gemeinsame Unternehmung vorgesehen: Dies kann eine erlebnisorientierte Veranstaltung sein oder ein gemeinsam zubereitetes Essen. Als sichtbaren Nachweis erhalten die Jugendlichen oder jungen Volljährigen eine Teilnahmebestätigung.
Zuweisung
Die Zuweisung kann erfolgen durch:
- Jugendamt
- Staatsanwaltschaft
- Jugendrichter.
Durchführung
Die Leitung erfolgt durch Diplompsychologen oder / und Diplomsozialpädagogen.
Kursdauer
14 Termine über den Zeitraum von circa 4 Monaten